29-30.08.2005
Slovenia is "On My Mind"
„Dennis“, sagte ich, „nun ist es wieder so weit: Wir fahren nach Slowenien!“ Mit diesem Satz kamen die ganzen Gefühle des „Beware“-Videodrehs wieder hoch: Pivoland, pivorisieren, Klassenfahrt-Style! Wir konnten es kaum erwarten, den verrückten Regisseur Mitja wieder zu treffen und mit ihm einen weiteren Clip zu machen - diesmal zu „On My Mind“. Da Dennis für einen schauspielerischen Part bereits einen Tag vorher gebraucht wurde, flog er schon früher in das kleine, aber sehr schöne Land. So musste ich nur noch unseren Gitarren-Andor, den basslastigen Lonzo und unseren neuen trommelnden Ruben ins Handgepäck packen und machte mich um 5 Uhr morgens auf den Weg zum Berliner Flughafen. Im so genannten Video-Treatment (also dem Drehbuch) war die Rede von einer wunderschönen Schauspielerin namens Katharina, mit der Dennis zusammen ein Liebespaar spielen soll. Inspiriert von dieser Vorstellung hatten wir schon im Auto unseren Spaß an dem Gedanken, wie er diese Aufgabe wohl meistern würde… Während des Fluges waren wir zunächst einmal sehr stolz auf Andor. Seine Flugangst vom letzten Mal hatte sich nämlich in eine fast überschwängliche Euphorie verwandelt. Lonzo, mein Sitzpartner zur Rechten, verlor sich in den Zockerwelten eines PC-Spiel- -Fachblattes und zählte in Gedanken schon wieder seine Bonusmeilen. Ruben zeigte trotz der bedrohlichen Winzigkeit unseres Flugzeugs ebenfalls keinerlei Unruhe. In Slowenien angekommen empfing uns der nette Fahrer des Hotels mit sauber ausgedrucktem TAMOTO-Originalschriftzug auf einem Schild. Zu seiner Freude beherrschte ja Andor seine Landessprache. Der Rest der Truppe konnte leider nur stumm und mit fragenden Blicken die Fahrt zu unserer Residenz antreten. Rok, der Videoproduzent, hatte sich wieder mal nicht lumpen lassen und uns erneut in das wohl nobelste Hotel von Lublijana eingebucht, in das wir mit unserem Outfit etwas deplaziert wirkten: Zerrissene, viel zu große Hosen und Säcke voller Gitarren. Die Hotelbelegschaft musterte uns komische Vögel eh schon kritisch, und als dann Rubens an der Rezeption noch fragte, ob wirklich alle (!) Filmkanäle auf den Zimmern gratis seien, wurde ich doch etwas rot. Um den schicken Wellness-Bereich unseres Hotels nutzen zu können, fuhren wir auf den Wochenmarkt und kauften uns Badehosen. Zurück im Hotel bekam die tolle Vorstellung, gleich mit einer Arschbombe im Pool einzuschlagen, einen fetten Dämpfer. In dem Werbefilm des Hotel-Fernsehens stellte sich nämlich heraus, dass nicht nur eine Reservierung für die Benutzung nötig gewesen wäre, sondern dass auch keine Badehosen erlaubt waren. Lärm, Musik oder Getränke waren ebenfalls streng untersagt. Das härteste war allerdings die Ansage, es gebe keinen Schwimmbecken, sondern nur einen Whirlpool. Die Vorstellung, mit dieser Horde Irrer splitterfasernackt in einem winzigen Becken Haut an Haut liegen zu müssen, ließ nicht nur mich schaudern. So fiel der Badeausflug ins Wasser. Um den heutigen Abend zu retten, schickte ich eine SMS an eine der hübschen Darstellerinnen des „Beware“-Videos, die auch Sängerin von Sloweniens bekanntester Band „Alya“ ist, und lud sie für später zum Essen ein. Vor allem Lonzo freute sich darüber und war schon ganz aufgeregt! Doch erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Daher machten wir uns zunächst auf den Weg zu der Wohnung, die als Kulisse für einige von Dennis „Liebesszenen“ diente. Vor Ort nahmen wir erstmal seine Schauspielpartnerin Katharina unter die Lupe. Das Urteil war eindeutig: Sehr süß, aber leider auch sehr in Jure, Mitjas gut aussehenden Regie-Assistenten, verliebt. Schon bei der Probe beeindruckte uns Dennis Leistung als Schauspieler. Nicht, dass es sonderlich schwer ist, mit so einem hübschen Mädchen ein Liebespaar darzustellen, aber die beiden machten das so authentisch, dass man sie wirklich für ein echtes Paar halten konnte – die perfekte Illusion! Anschließend probierten wir die freakigen Outfits an, die zwei junge Designerinnen für jeden von uns angefertigt hatten: Maßgeschneiderte T-Shirts, coole Hemden, geile Hosen und das Ganze gekrönt durch orange Knast-Overalls mit TAMOTO-Emblem. Echt abgefahren! Zum Abendessen fuhren wir zur legendären Flaniermeile an den „Drei Brücken“. Alya kam gemeinsam mit ihrem Gitarristen. Wir suchten ein nettes Restaurant aus und aßen den leckersten Fisch, den ich je in meinem Leben gegessen hatte - und das will was heißen, denn damit kenne ich mich aus, weil mein Onkel eines der besten Fischrestaurants in Portugal betreibt. Sorry Onkel To! Überraschenderweise gab sich Bassist Lonzo, unser Ladykiller in spe, unglaublich schüchtern. Daher mein Rat an alle Ladies: Nicht lang schnacken, gleich ran! Am nächsten Morgen waren wir zwar alle mehr oder weniger verkatert, aber verdammt heiß auf den Dreh. Um 10 Uhr ging es zu den Studios, wo uns eine täuschend echt aussehende Gefängniszelle mit fleckigem Spiegel, deckellosem Klo und alter Pritsche erwartete. Noch liebevoller ausgestattet war ein anderer Raum, in dem 7500 Fotos von uns an den Wänden hingen. Es war wie eine Reise durch die TAMOTO-Geschichte: Alte Fotos von den Demoaufnahmen, dem Horus-Sound-Studio, dem Politrash-Studio, Dennis am Schlagzeug, Fabio und Stude am Bass oder ich Kaffee trinkend in der Bundestagkantine. Aber auch wunderschöne Bilder von Katharina, der Schauspielerin. Einige sogar im Bikini! Diese Kulisse sollte die Erinnerungen an vergangene Zeiten darstellen, denn das „On My Mind“ Video ist als Rückblende aufgebaut. *-*-*-* In dem Video geht es darum, dass Dennis und Katharina eine scheinbar traumhafte Beziehung führen. Sie albern herum, knutschen und umarmen sich. Das Glück scheint perfekt, wenn man sie unter der Bettdecke toben sieht, oder wenn sie im Kerzenschein in der Wanne planschen. Nur am Rande: Ob die beiden wirklich nackt in der Wanne waren, müsst ihr sie selbst fragen…:-) Erzählt wird die Geschichte als Rückblende. Ich sitze in dem bebilderten Raum und beginne zu singen. Dennis sitzt an einem Schreibtisch in einem kleinen düsteren Raum und schreibt zahllose Briefe. Zwischendurch sieht man immer wieder die o.g. Szenen des verliebten Paares. Dennis wirkt jedoch irgendwie verzweifelt. Es scheint etwas vorgefallen zu sein - etwas, das alles zwischen den beiden verändert haben muss. Im Laufe des Clips sieht man immer wieder, wie Dennis zur Flasche greift. Er scheint sein Glück mehr und mehr mit dem Alkohol als mit seiner Freundin zu teilen. Sein Wesen verändert sich zunehmend. Die Dramatik der Handlung wird in einem eher ruhigen Songpart verdeutlicht: Dennis liegt auf seiner Pritsche im Dunkeln. Bilder von Katharina und seinem Trinkwahn wechseln sich mit Schattenbildern der gesamten TAMOTO-Crew ab. Dennis springt auf und greift nach Hanteln, um zu trainieren. Er pumpt, immer schneller, immer heftiger. Kameraeinstellungen seines schmerzverzerrten Gesichts wechseln sich mit Rückblenden-Szenen eines Streits mit Katharina ab. Als sie ihm seinen Drink aus der Hand schlagen will, schlägt er sie. Sie fällt, schlägt mit ihrem Kopf hart auf die Kante eines Tisches und bleibt regungslos liegen. Dennis findet sich, umgeben von Zeitungsartikeln seiner Mordanklage in dem dunklen Raum wieder. Er hat den Tod von Katharina zu verantworten und ist angeklagt. Die Band spielt in ihren orange Knastanzügen im Bilderraum, bis die Kamera von Dennis Gesicht zurückfährt. Nun erkennt man, wo er sich befindet: Hinter Gittern in seiner dunklen Zelle und seiner Schuld gefangen. Erst spät in der Nacht waren alle Szenen abgedreht. Wir verteilten uns auf die Autos von Mitja und Rok und fuhren ins Hotel. In der Lobby wurde Mitja als bekanntester Regisseur Sloweniens prompt von zwei Ladies erkannt. Was für ein peinliches Aufsehen, da die beiden Damen schon gut gefeiert hatten und es jeden in 200 Meter Umkreis wissen ließen, welche Berühmtheit ihnen gerade begegnet war! Anschließend ging alle noch in eine angesagte Rockdisco, wogegen ich den Abend ruhig im Hotel ausklingen ließ. Am nächsten Morgen erzählte mir Dennis beim gemeinsamen Frühstück vom Club des gestrigen Abends, der seinen Worten nach eine hervorragende Bühne bietet. Würde sich anbieten, dort mal ordentlich zu rocken und das slowenische Publikum zu tamotosieren! Es war ein wunderschöner, aufregender Trip, und wir alle sind schon ganz gespannt, ob Euch dieser tolle Videoclip genauso gut gefällt wie uns. Bye, Euer Markus aka G-Ball
» zurück
|